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Zur Pressefreiheit in der Schweiz

Mann greift in die Kamera des Journalisten während im Hintergrund eine mit Kunstöl-beschmierte Aktivin ein Schild mit der Aufschrift Like A Warplane Oil Kills hochhält.

Zur Pressefreiheit in der Schweiz

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Alto Press Fotoreporter wurden bei Aktionen der Schweizer Klimagruppe Act Now von Polizei wiederholt schikaniert.


Am 6. Mai 2026 hat die Klimaschutzgruppe Act im Musee de l‘aviation militaire Payerne in Morens, Freiburg, Schweiz eine Aktion durchgeführt. Aktivst:innen überschütteten sich mit Kunstöl und hielten Schilder hoch. Mit dieser Aktion wollen die Aktivist:innen "die tödlichen Folgen unserer Abhängigkeit vom Erdöl (...), die – wie der Krieg – Millionen von Menschen tötet, indem sie den Klimawandel beschleunigt" anprangern. Fotojournalist Bénédict Bettermann hat die Aktion exklusiv für Alto Press gecovert. 

Mit Kunstöl-beschmierte Aktivist:inen halten Schilder mit der Aufschrift Like A Warplane Oil Kills hoch.

Im Anschluss an die Aktion musste er seine Personalien abgeben, ihm wurde kurzfristig seine Speicherkarte von einem Polizisten weggeschnappt. Anschließend wurde er ins Kommissariat gebracht und dort mehrere Stunden lang festgehalten. Er wurde behandelt als wäre er ein Aktivist, was er nicht war. Außerdem musste er einige Bilder löschen. Die Polizei drohte ihm mit der Beschlagnahme seines gesamten Equipments. Nach einigen Stunden durfte Bénédict die Polizeistation verlassen. In einer Anfrage schreibt die Kantonspolizei Freiburg dazu, „der Journalist wäre vor Ort nicht eindeutig als solcher erkennbar“. Bénédict hat vor Ort aber genug Nachweise für seine journalistische Tätigkeit erbracht.

Mit Kunstöl-beschmierte Aktivistin hält Schild mit der Aufschrift Like A Warplane Oil Kills hoch.

Alexander Pohl, Chefredakteur von Alto Press, zu dem Fall: „Das ist ein eklatanter Angriff auf den Journalismus und auf die Pressefreiheit. Ich hoffe, dass die Freiburger Polizei aus dem Fall lernt!“

Mann greift in die Kamera des Journalisten während im Hintergrund eine mit Kunstöl-beschmierte Aktivin ein Schild mit der Aufschrift Like A Warplane Oil Kills hochhält.

Zu Bénédicts gesamter Serie zum Protest im Clin d'Ailes.

 

Am 14.05.2026 coverte der Fotojournalist Raimond Lüppken für Alto Press ebenfalls eine Aktion von Act Now. Dieses Mal bei einer Coop Pronto Tankstelle in Kriens, Kanton Luzern, Schweiz. Einige Tage zuvor berichtete er bereits über eine ähnliche Aktion auf der Autobahnraststätte Würenlos, Aargau, Schweiz bei der Shell-Tankstelle. Bei Shell reagierten sowohl die Betreiber der Tankstelle als auch die Polizei total entspannt und friedlich.

Aktivistin von Act Now gespiegelt in einem Auto.
Aktivist:innen von Act Now bei einem Sit-In bei einer Shell-Tankstelle.

Zu Raimonds gesamter Serie zum Sit-In an der Autobahnraststätte Würenlos.

 

In Kriens (Kanton Luzern) verlief der Kontakt mit der Polizei hingegen alles andere als entspannt und friedlich. Zunächst demonstrierten die Aktivist:innen von Act Now friedlich neben den Zapfsäulen. Niemand wurde beim Tanken gestört oder belästigt. Act Now demonstriert in ihrer aktuellen "Oil Kills"-Kampagne, zu der alle drei im Artikel genannten Aktionen gehören, u.a. für Warnhinweise bei Tankstellen, die denen bei Tabak ähneln. Der Act Now-Fotograf sowie Raimond (Journalist mit Presseausweis Schweiz und internationalem Presseausweis IFJ) dokumentierten die Szene fotografisch.

Eine Aktivistin von Act Now geht auf die Coop Pronto Tankstelle zu.
Ein Aktivist von Act Now sitzt friedlich neben den Zapfsäulen und zwei weitere reden mit ihm.
Eine Aktivistin von Act Now sitzt friedlich neben den Zapfsäulen.

Raimond, der als Journalist vor Ort war und die rechtliche Lage in der Schweiz kennt, beschreibt im Luzerner Online-Medium zentralplus den Ablauf folgendermaßen: Als die ersten beiden Polizisten an der Tankstelle ankommen, gingen sie sofort auf eine Aktivistin los. „Vielleicht 10 Sekunden sprach ein Polizist mit einer Aktivistin am Boden, dann zerrte er sie weg.“

Eine Aktivistin von Act Now sitzt friedlich neben den Zapfsäulen während die Polizei aus dem Einsatzwagen steigt.

Laut zentralplus seien die Polizisten anschließend direkt auf ihn und den Act Now-Fotografen zugegangen und hätten sie aufgefordert, das Fotografieren zu unterlassen. Raimond wies darauf hin, dass in der Schweiz Polizeieinsätze grundsätzlich dokumentiert werden dürfen. Er sollte seine Kamera auf den Boden legen, sicherte sie jedoch nur am Gürtel. Daraufhin wurde Raimond „sehr rabiat mit Handschellen fixiert“, wodurch die Kamera auf den Boden fiel.

Dem Act Now-Fotografen und Raimond wurde mitgeteilt, dass gegen beide Anzeige erstattet wird. Nicht nur sie wurden von den Polizisten angesprochen, auch Passant:innen wurden schroff behandelt und mussten Aufnahmen löschen.

Eine Aktivistin von Act Now sitzt friedlich neben den Zapfsäulen.

Zu Raimonds gesamter Serie zum Sit-In in Kriens

Auf unsere ausführliche Anfrage regierte der Pressesprecher der Kantonspolizei Luzern nur mit einer Pressemitteilung vom 15.05.2026. Weitere Angaben wollte Yanik Probst nicht machen. Laut Pressemitteilung hätten acht Personen demonstriert und sie würden dabei „Kunden behindern“. „Diese trugen teilweise Leuchtwesten und führten Plakate mit sich.“ Raimond trug aber keine Warnweste und hatte auch keine Plakate dabei . Raimond hat die Aktion als Journalist dokumentiert. Laut Pressemitteilung wurden der Act Now Fotograf und Raimond „wegen Hinderung einer Amtshandlung bei der Staatsanwaltschaft angezeigt“.

Impressum, der Berufsverband der Journalist:innen in der Schweiz, hat für Raimond eine Anzeige gegen die Polizisten erstattet.

Eigentlich hatte die Luzerner Kantonspolizei nach langwierigen Verhandlungen mit Impressum eine gemeinsame Erklärung zum Umgang mit Journalist:innen unterzeichnet. 2021 wurde der Journalist Fabian Biasio von Polizist:innen in Luzern mit Pfefferspray angegriffen. Die Polizei bedauerte im Nachhinein das Vorgehen. 

Alto Press Chefredakteur Alexander Pohl kommentiert den Fall in Kriens so: „Nun hat die Polizei erneut einen Journalisten angegriffen. Scheinbar hat die Luzerner Polizei nichts gelernt, im Gegenteil sie hat es jetzt mit der Anzeige gegen Raimond auch noch weiter getrieben. Pressefreiheit ist anscheinend ein Fremdwort für die Luzerner Polizei. Bénédicts und Raimonds Fälle sind ein Alarmzeichen.“